Die schriftliche Prüfung

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März 2005

Schriftliche Prüfung Online

  1. Was gilt hinsichtlich der zwangsweisen Unterbringung auf einer geschlossenen psychiatrischen Station?

  2.  Ein Arzt kann die zwangsweise Einweisung für die Dauer von 7 Tagen verfügen; danach ist eine richterliche Anordnung erforderlich.
     Zusätzlich zum Vorliegen einer psychischen Erkrankung ist eine unmittelbare Selbst- oder Fremdgefährdung zwingende Voraussetzung für die Zwangseinweisung.
     Die Zwangseinweisung führt automatisch zu einem Behandlungsrecht auch gegen den Willen des Patienten.
     Die einzelnen Bundesländer haben unterschiedliche Unterbringungsgesetze.

     

  3. Welches der folgenden, von schizophrenen Patienten beschriebenen Phänomene wird am ehesten als Zoenästhesie bezeichnet?

  4.  Ich bin so empfindlich gegenüber Hitze geworden - sobald es ein bisschen wärmer wird, schwitze ich unheimlich stark.
     Das ist wie ein elektrischer Strom, der durch meine Genitalien läuft.
     Seit der Erkrankung leide ich unter starkem Durst.
     Seit einiger Zeit höre ich immer wieder ein Knallen, Sausen und Zischen, das meine Angehörigen nicht wahrnehmen.
     Es macht immer einen lauten "Klick", und ich werde intelligenter.

     

  5. Welche Aussagen sind richtig? Bestimmte Alkoholismus-Typen (nach Jellinek) zeigen folgende, charakteristische Merkmale:

  6.  Beim Alpha-Typ besteht nur zeitweilig psychische Abhängigkeit, kein Kontrollverlust, die Fähigkeit zur Abstinenz ist erhalten.
     Beim Beta-Typ handelt es sich um übermäßigen, aber nicht regelmäßigen Alkoholkonsum (Typ des Wochenendtrinkers).
     Beim Gamma-Typ besteht Kontrollverlust, doch sind Perioden vollständiger Abstinenz möglich.
     Delta-Alkoholiker haben zwar keinen Kontrollverlust, sind aber unfähig zur Abstinenz und sind körperlich abhängig.

     

  7. Hinsichtlich chronischer organischer Psychosyndrome gilt:

  8.  Eine Erscheinungsform irreversibler organischer Psychosyndrome ist das pseudoneurasthenische Syndrom.
     Eine Erscheinungsform chronischer organischer Psychosyndrome ist die Demenz.
     Organische Persönlichkeitsveränderungen lassen sich am besten im Intelligenztest und nicht durch Verhaftensbeobachtung erkennen.
     Der Ausbruch symptomatischer Psychosen bei das Gehirn betreffenden Erkrankungen beruht in der Regel auf einer vererbten anlagemäßigen Disposition.
     Chronische hirnorganische Psychosyndrome werden auch als Demenzen bezeichnet.

     

  9. Für das hyperkinetische Syndrom gilt:

  10.  Es sind mehr Jungen als Mädchen betroffen.
     Die schulische Leistungsfähigkeit ist meist nicht beeinträchtigt.
     In vielen Fällen nimmt die Intensität mit zunehmendem Alter deutlich ab, obgleich das hyperkinetische Syndrom in manchen Fällen in eine Persönlichkeitsstörung übergehen kann.
     Lithiumtherapie stellt eine wirksame Prophylaxe dar.

     

  11. Für Oligophrenie und Demenz gilt:

  12.  Bei den Oligophrenien sind meist noch Überbleibsel des früher erworbenenWissens als Hinweise auf ein zuvor höheres Intelligenzniveau erkennbar.
     Zumeist erlauben die Anamnese und die Erhebung der Lebensgeschichte (und dabei die Berücksichtigung von Schulerfolg und beruflichem Werdegang) die Differenzierung von Oligophrenie und Demenz.
     Unter Demenz versteht man in der Regel ein angebores abnorm niedriges Intelligenzniveau.
     Zu den typischen Demenzformen im Kindesalter zählen die Dementia infantilis Heller sowie das Kramer-Pollnow-Syndrom.
     Differentialdiagnostisch unterscheiden sich Oligophrenien von den Demenzen durch das Vorliegen von Störungen der Merkfähigkeit und des Kurzzeitgedächtnisses.

     

  13. Für die Bulimia nervosa gilt:

  14.  Symptome sind Fressattacken, übermäßige Beschäftigung mit der Nahrungsaufnahme sowie gegensteuerndes Verhalten (z.B. durch selbstinduziertes Erbrechen oder Missbrauch von Abführmitteln).
     Die Bulimie ist deutlich seltener als die Anorexia nervosa.
     Eine Bulimie kann nach ICD-10 nur diagnostiziert werden, wenn das Körpergewicht um mindestens 15% unter dem Normalgewicht liegt.
     Oft findet sich bei Bulimie-Patienten ausgeprägte Karies.
     Häufig lässt sich bei der Anamnese bulimischer Patienten eine anorektische Episode finden.

     

  15. Hinsichtlich des Suizid gilt:

  16.  Bei der Indikationsstellung zur stationären Behandlung ist die Einschätzung der Suizidalität von besonders großer Bedeutung.
     Die Mehrzahl aller Suizidhandlungen wird nicht angekündigt.
     Psychisch Kranke, v.a. Depressive und Suchtpatienten, sind besonders gefährdet.
     In den ersten Monaten nach einem (überlebten) Suizidversuch ist mit keinem weiteren zu rechnen ("suizidale Pause").
     Frauen bevorzugen beim Suizid "weiche" Methoden (z.B. Tabletten), Männer eher "harte" (z.B. Erschießen).

     

  17. Welche der folgenden Konflikte ist für die orale Phase charakteristisch?

  18.  Rivalität - Kooperation
     Urvertrauen - Urmisstrauen
     Autonomie - Selbstzweifel
     Behalten - Hergeben
     Ordnung - Unordnung

     

  19. Welche der Aussagen über die manischen Phasen einer bipolaren Störung treffen zu?

  20.  Zu den Kardinalsymptomen zählen Ideenflucht und Steigerung des Antriebs
     Patienten mit einer endogenen Manie können geschäftsunfähig sein.
     Zur Therapie der endogenen Manie sind hochpotente Neuroleptika geeignet.
     Ca. 25% aller affektiven Psychosen haben monopolar-manische Verlaufsformen.
     Für den manischen Wahn sind hypochondrische und nihilistische Wahninhalte charakteristisch.

     

  21. Welche Aussagen sind richtig?

  22.  Bei Persönlichkeitsstörungen handelt es sich um Extremvarianten desmenschlichen Erlebens, Verhaltens und Kommunizierens, die unflexibel und wenig angepasst sind.
     Histrionische Persönlichkeiten neigen oft zu theatralischer Selbstinszenierung.
     Menschen mit schizoider Persönlichkeitsstörung sind manipulativ, emotional aufbrausend und aufdringlich.
     Personen mit emotionaler instabiler Persönlichkeitsstörung (Borderline-Typ) sind besonders suizidgefährdet.
     Die Persönlichkeitsforschung hat fünf globale Dimensionen der Persönlichkeit beschrieben ("big-five"), die sich unabhängig von Testverfahren und Untersuchungspopulation immer wieder zeigen.

     

  23. Hinsichtlich der Lese- und Rechtschreibstörung (Legasthenie) gilt:

  24.  Es sind mehr Jungen als Mädchen betroffen.
     Beginn ist meist in der Pubertät.
     Bei Ausbleiben von Therapie kann es zu einer sekundären Neurotisierungkommen.
     Bei frühzeitiger Behandlung ist die Störung stets behebbar.
     Die Legasthenie wird zusammen mit der Dyskalkulie zu den Oligophreniengezählt.

     

  25. Was ist richtig hinsichtlich des Begriffes des "sekundären Krankheitsgewinns"?

  26.  Er besteht nach psychodynamischen Vorstellungen darin, dass die Symptome einer neurotischen Erkrankung zu einer innerpsychischen Entlastung und kompromisshaften Befriedigung verdrängter Impulse beitragen.
     Er schließt objektive Vorteile, welche dem Kranken ein neurotisches Symptom bringen, (z.B. Rente) mit ein.
     Soziale Zuwendung, die der Patient aufgrund psychogener Symptomatik erfährt, kann nicht als sekundärer Krankheitsgewinn bezeichnet werden.
     Nach lerntheoretischen Vorstellungen führt der sekundäre Krankheitsgewinn über operante Konditionierung zu einer Aufrechterhaltung der Symptomatik.

     

  27. Was ist richtig hinsichtlich des Delirs:

  28.  Ein Ausschlusskriterium ist das Auftreten optischer Halluzinationen.
     Die Mindestdauer beträgt mehr als sechs Monate.
     Zu den diagnostischen Kriterien zählen Bewusstseinstrübung, Desorientiertheit sowie vegetative Symptome.
     Psychodynamisch wird eine Fixierung in der oralen Phase vermutet.
     >Das Delir tritt plötzlich auf und wird zu den akuten, körperlich begründbaren Psychosen gerechnet.

     

  29. Typisch für eine lange bestehende Alkoholkrankheit sind:

  30.  Hypermnesie
     Persönlichkeitsveränderung und sozialer Abstieg
     Libidoverlust und Eifersuchtswahn
     Polyneuropathie

     

  31. Welche der folgenden Aussagen trifft zu?

  32.  Optische Halluzinationen gelten als Symptom 2. Ranges der Schizophrenie (nach K. Schneider).
     Als Zoenästhesien bezeichnet man bestimmte eigenartige Leibgefühlsstörungen.
     Das Hören von kommentierenden Stimmen kommt bei körperlich begründbaren Psychosen nicht vor.
     Illusionäre Verkennungen sind typisch für das Delirium tremens beim Alkoholismus.
     Das Hören von dialogischen Stimmen zählt zu den Symptomen 1. Ranges (nach K. Schneider) bei der Schizophrenie.

     

  33. Eine Patientin tritt nicht auf die Plattenfugen des Bürgersteiges, weil sie befürchtet, dass sonst ihrer Tochter ein schreckliches Unglück geschehen würde. Sie hält diese Vorstellung selbst für unsinnig, kann sich aber nicht dagegen wehren. Psychopathologisch handelt es sich dabei um:

  34.  Wahnwahrnehmung
     Zwangshandlung
     generalisierte Angststörung
     Impulshandlung
     Phobie

     

  35. Was stimmt hinsichtlich des wahnhaften Erlebens?

  36.  Der Beziehungswahn kommt bei der Schizophrenie nicht vor.
     Hypochondrischer Wahn kommt oft bei endogenen Depressionen vor.
     Wahnhafte Erlebnisse kommen bei körperlich begründbaren Psychosen nicht vor.
    Wahnwahrnehmungen sind für zyklothyme Depressionen charakteristisch.
    Der Dermatozoenwahn ist häufig bei der Dysthymia zu finden.

     

  37. Welche der folgenden Syndrome sindn tiefgreifende Entwicklungsstörungen:

  38. Tourette-Syndrom
    Asperger-Syndrom
    Rett-Syndrom
    Korsakow-Syndrom
    Kanner-Syndrom

     

  39. Frau P. ist 41 Jahre alt und arbeitet als Filialleiterin eines Bekleidungsgeschäftes. Schon seit einigen Jahren ist sie sehr reizbar, doch in den letzten sechs Monaten hat diese Reizbarkeit extreme Ausmaße angenommen: Allein der Anblick einer schmutzigen Kaffeetasse, die auf dem Esstisch stehengeblieben war, lässt sie vor Wut und Verzweiflung aufschreien. Ein verschüttetes Glas gibt Anlass zur Panik und lässt sie aus dem Zimmer rennen. Jeden Morgen, bevor sie zur Arbeit geht, klagt sie über Übelkeit. Frau P. fühlt sich nicht mehr in der Lage, berufliche Entscheidungen zu fällen und schiebt diese auf andere Mitarbeiter ab. In ähnlicher Weise steht sie alltäglichen Entscheidungen wie gelähmt gegenüber. Mit Freundinnen, mit denen sie früher viel unternommen hat, trifft sie sich kaum noch. Die Versuche ihres Ehemanns, ihr zu helfen, verstärken nur noch die ohnehin in ihr vorhandenen Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit: so sagt sie zu ihren Kindern: "Am besten für Euch alle wäre es, wenn ich tot wäre." Frau P. leidet am wahrscheinlichsten unter:

  40. histrionischer Persönlichkeitsstörung
    Hebephrenie
    Konversionssyndrom
    agitierter Depression

     

  41. Für die Rehabilitation schizophrener Psychosen gilt:

  42. Familien- und Gruppentherapie kann helfen, Störungen im zwischenmenschlichen Bereich abzubauen.
    Supportive und verhaltenstherapeutische Verfahren sind geeignet.
    Balint-Gruppen können helfen, die Neuroleptika-Dosierung deutlich zu senken.
    Abwechselnde Über- und Unterstimulation der Patienten wird zur Rezidivprophylaxe eingesetzt.
    Psychotherapie kann nicht zeitgleich mit einer Neuroleptika-Therapie durchgeführt werden.

     

  43. Was ist hinsichtlich der Frühsymptome einer Demenz zutreffend?

  44. Im Vordergrund steht oft eine abnehmende Lernfähigkeit bei zunächst noch besser erhaltenem Altgedächtnis.
    Es kommt zur Konzentrationsschwäche und Verlangsamung.
    Häufig kommt es zu Pareidolien.
    Praktisch immer zeigt sich eine Bewusstseinstrübung.
    Die Frühsymptome sind eindeutig, daher bereitet die Diagnose einer Demenz im Frühstadium kaum Schwierigkeiten.

     

  45. Bei schweren endogenen Depressionen empfiehlt es sich...

  46. den Kranken auf etwaige bestehende Suizidgedanken anzusprechen.
    gegenüber dem Patienten wiederholt von der Heilbarkeit seiner Erkrankung zu sprechen.
    mit dem Patienten möglichst jedes Gespräch über seine Erkrankung zu meiden.
    als Therapie vor allem Autogenes Training (Schulz) und Progressive Muskelentspannung (Jacobsen) einzusetzen.

     

  47. Beurteilen Sie die Richtigkeit und die Verknüpfung dieser beiden Aussagen: (1) Anfälle mit Bewusstseinsveränderung müssen unbedingt neurologisch abgeklärt werden, (2) weil sie wegen ihrer psychologischen Genese unter Umständen einer Kurzzeittherapie zugänglich sind.

  48. Aussagen 1 und 2 sind richtig, die Verknüpfung ist richtig.
    Aussagen 1 und 2 sind richtig, die Verknüpfung ist falsch.
    Aussage 1 ist richtig, Aussage 2 ist falsch.
    Aussage 1 ist falsch, Aussage 2 ist richtig.
    Aussagen 1 und 2 sind falsch.

     

  49. Beurteilen Sie die beiden Aussagen unabhängig voneinander sowie im Hinblick auf die kausale Verknüpfung: (1) Bei depressiven Patienten wächst im allgemeinen das Suizidrisiko, wenn der Therapeut die Suizidgedanken von sich aus anspricht, weil (2) für depressive Patienten das Ansprechen von Suizidgedanken den Suizid in den Bereich des Möglichen rückt.

  50. Aussagen 1 und 2 sind richtig, die Verknüpfung ist richtig.
    Aussagen 1 und 2 sind richtig, die Verknüpfung ist falsch.
    Aussage 1 ist richtig, Aussage 2 ist falsch.
    Aussage 2 ist falsch, Aussage 1 ist richtig.
    Beide Aussagen sind falsch.

     

  51. Beim Delir ist nicht charakteristisch:

  52. Schwitzen
    Gedankeneingebung
    Tremor
    Optische Halluzinationen
    motorische Unruhe

     

  53. Akoasmen können vorkommen bei:

  54. Schizophrenie
    Alkoholdelir
    Epileptischer Aura

     

  55. Beurteilen Sie den ersten und zweiten Halbsatz der nachfolgenden Aussage unabhängig voneinander und im Hinblick auf die kausale Verknüpfung! (1) Da depressive Patienten ausgeprägte Defizite im Antrieb und in ihren Handlungsinitiativen erleben, (2) muss man sie häufig ermuntern, alle Kräfte zusammenzunehmen und einzusetzen.

  56. Aussagen 1 und 2 sind richtig, die Verknüpfung ist richtig.
    Aussagen 1 und 2 sind richtig, die Verknüpfung ist falsch.
    Aussage 1 ist richtig, Aussage 2 ist falsch.
    Aussage 1 ist falsch, Aussage 2 ist richtig.
    Aussagen 1 und 2 sind falsch
 

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