Köln I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX

Mündliche Heilpraktikerprüfung Psychotherapie Mai 2025

Erfahrungsbericht: Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung Köln 2025 – Stresstest mit Rollenspiel 

Hallo! Im April 2025 war ich als letzter Kandidat zur mündlichen Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung dran. Ich kam früh an, spazierte eine Runde und wartete entspannt im Foyer – super Atmosphäre, um mit der Vorgängerin über die schriftliche Prüfung und Selbstpräsentation zu quatschen. Das lockerte auf! Mit  Verspätung holte uns eine Prüferin ab. Drei Frauen (Ärztin vom Gesundheitsamt, zwei Heilpraktikerinnen) saßen mir gegenüber, Aufnahmegerät lief, Stift/Papier bereit. Wichtig: Unterlagen wie Lebenslauf, Ausbildungsbescheinigungen (Grundkurs HP Psych) und Erste-Hilfe-Zertifikat (DRK) vorab einreichen – ich schob meins nach.​

Teil 1: Persönlicher Einstieg – Locker und unterstützend

Die Ärztin leitete: Lebenslauf durchgehen (diverse Menschenerfahrungen positiv hervorgehoben), Motivation (Grenzfälle coachen, Betriebliches Gesundheitsmanagement erweitern), Therapieverfahren (Rogers, zukünftig Schematherapie/Systemik). Welche Störungen behandeln?,  Keine psychiatrische Praxiserfahrung? Ich antwortete: Nein. Die Prüferinnen nickten wohlwollend, warnten aber vor ambitionierten Zielen. Super Einstieg, fast nur die Ärztin fragte – fair und einladend.​

Teil 2: Intensives Fallbeispiel – Rollenspiel als wacher Stresstest

Die Stimmung war zunächst entspannt, bis das ausführliche Fallbeispiel kam: Eine 23-jährige Frau präsentierte sich sozial isoliert mit wenigen Kontakten, zeigte starke Anspannung und Aggressivität, war weder besonders gepflegt noch vernachlässigt. Sie hatte ein unvollendetes Medizinstudium abgebrochen und arbeitete nun in Hilfsjobs wie Bar und Museum. Ich wiederholte die Eckdaten, startete systematisch mit der Anamnese (Kontakt, aktuelle Beschwerden, Dauer, Häufigkeit). Schnell kristallisierte sich eine schwere Vorgeschichte heraus: Vor etwa zwei Jahren war sie auf einer Fakultätsfeier von einem Kommilitonen vergewaltigt worden. Sie hatte Anzeige erstattet, doch der Täter wurde ein Jahr später freigesprochen. Dieses Urteil konnte sie nicht akzeptieren und plante nun konkrete Rache: Den Täter zu kastrieren. Hier notierte ich sofort eine akute Fremdgefährdung, ergänzt durch wachsende Isolation, da sie sich vom Umfeld missverstanden fühlte und sich zunehmend zurückzog.

Der Übergang ins Rollenspiel wurde intensiv: Die Prüferin schlüpfte in die Rolle der Patientin, und es gab kritische Rückmeldungen zu meiner Wortwahl und Herangehensweise. Beispielsweise wurde bemängelt, dass eine zu direkte Nachfrage nach den genauen Umständen des Traumas (inklusive möglichen Alkoholkonsums) unangemessen wirken könnte, da dies Schamgefühle auslösen und Schuld attributionen verstärken würde. Stattdessen wurde empfohlen, sensibler vorzugehen. Eine Formulierung wie „Event“ für das Trauma löste Entsetzen aus – die Patientin würde die Praxis verlassen oder aggressiv reagieren. Ich lernte: Empathische Ich-Botschaften einsetzen, z. B. dass man sich Sorgen um die Patientin mache, weil sie durch die Umsetzung der Tat schwere Konsequenzen riskiere. „Was erhoffen Sie sich?“ war zu konfrontativ – besser: Offene, schützende Haltung.
Zurück in der Metaebene wurde eine erste Hypothese auf eine PTBS geprüft, die jedoch nicht zutraf, da klassische Symptome wie Flashbacks, Alpträume oder vermeidendes Verhalten fehlten. Bei der Impulskontrolle zeigten sich klare Auffälligkeiten: Die Patientin war stark angespannt und fürchtete, die geplante Tat nicht kontrollieren zu können. Zudem lag eine Suizidalität vor, die sich in der Aussage äußerte, sie würde entweder selbst enden oder die Rache ausführen. Ich wollte das Pöldinger-Schema einleiten, wurde jedoch unterbrochen mit der Feststellung, dass beide Gefahren – Selbst- und Fremdgefährdung – bereits evident seien und weitere Nachfragen entbehrlich wären. Daraufhin erläuterte ich das Vorgehen nach PsychKG NRW: Zuerst den Sozialpsychiatrischen Dienst (SPD) kontaktieren, Notarzt oder 112 rufen und eine Unterbringung prüfen, wobei freiwillige Alternativen wie Hausbesuche oder ambulante Therapie priorisiert werden sollten, um die persönlichen Rechte der Betroffenen zu wahren. Zur Verdachtsdiagnose nannte ich zunächst eine anhaltende wahnhafte Störung, was korrigiert wurde, bis ich auf die unerwartete F62: Anhaltende Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung kam. Überraschend verkündete die Prüferin ohne weitere Beratung, dass ich bestanden habe. Sie lobten ausdrücklich die erhaltene Ruhe, das konsequente Durchziehen der Anamnese und des psychopathologischen Befunds trotz des Drucks und betonten, man könne mich mit gutem Gewissen Klienten anvertrauen. Mit einem Puls von 180 schlug ich den Rest der Anamnese schnell nach.

Lern-Erkenntnisse & Vorbereitungstipps

  • Flexibilität: Stur Anamnese nicht immer machbar – bei Kritik umsteuern, Meta/Rollenspiel flüssig wechseln.

  • Wortwahl: Empathie first (Ich-Botschaft), Trauma sensibel benennen.

  • ICD breit: Ungewöhnliche Diagnosen wie F62 lernen, PTBS-Differenzialdiagnostik.

  • Unterlagen: Früh einreichen.

  • Üben: Rollenspiele unter Druck, kritische Nachfragen simulieren.

Die HPP Prüfung Köln prüft Praxisresilienz – Struktur, Empathie und schnelles Lernen siegen. Ich fühlte mich berechtigt, jetzt Klienten zu unterstützen. Viel Erfolg, ihr schafft das!