Stuttgart I, II, III, IV

Mündliche Heilpraktiker für Psychotherapie Prüfung

Stuttgart Mai 2025

Im Mai 2025 legte ich meine mündliche Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung in Stuttgart ab. Nach Erledigung der Formalitäten bei einer freundlichen Sachbearbeiterin, bei denen ich bestätigte, physisch und psychisch prüfungsfähig zu sein und der Tonbandaufnahme zuzustimmen, wurde ich zum Prüfungsraum geführt. Dort wartete ich kurz vor der Tür, bis der Leiter der gesundheitlichen Versorgung eintraf, der mich herzlich begrüßte und bat, noch einen Moment Geduld zu haben. Die psychologische Psychotherapeutin und die Beisitzerin vom Heilpraktikerverband saßen bereits im Raum. Nach einer Minute bat man mich herein, und ich setzte mich den dreien gegenüber. Sie begrüßten mich freundlich und stellten sich kurz vor. Auf dem Tisch lagen ein umgedrehtes Blatt mit dem Fallbeispiel, unbeschriebene Notizblätter und ein Kugelschreiber.​

Die Psychotherapeutin forderte mich auf, mich kurz vorzustellen, das Fallbeispiel umzudrehen, es durchzulesen und Notizen zu machen. Danach sollte ein Rollenspiel folgen. Das Fallbeispiel beschrieb eine 36-jährige Frau, die vor einem Jahr mit ihrer sechsjährigen Tochter aus Frankreich nach Deutschland umgezogen war, einen guten Job angetreten hatte, aber unter Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Albträumen und wiederkehrenden Erinnerungen litt. Sie hatte sich vor zwei Jahren nach Misshandlungen von ihrem Ex-Mann scheiden lassen, fühlte sich schreckhaft, hatte Schuld- und Schamgefühle gegenüber ihrer Tochter, war immer ängstlich gewesen und empfand sich derzeit als depressiv. Ich notierte mein Rollenspiel-Schema, strich Symptome an und begann. Zuerst fragte ich nach dem äußeren Erscheinungsbild der Patientin, das als normal beschrieben wurde. Ich simulierte ein vorheriges Telefonat und klärte ab, ob sie den Behandlungsvertrag und die Datenschutzerklärung unterschrieben mitgebracht hatte, was bejaht wurde.​

Im Rollenspiel erfragte ich die Anamnese und den psychopathologischen Befund. Die Trennung lag drei Jahre zurück, der Umzug sollte Besserung bringen, hatte aber nicht geholfen. Suizidalität und Substanzmissbrauch wurden ausgeschlossen, organische Ursachen bereits abgeklärt. Es lagen keine Antriebsstörungen oder Interessenlosigkeit vor, die depressive Stimmung war nicht dauerhaft, sodass eine depressive Episode ausgeschlossen werden konnte. Die Tochter war gut eingebunden, beide hatten sich eingelebt, nur Kontakte zu Männern fielen schwer. Weitere Ängste wurden verneint; sie war immer ängstlich gewesen, mied aber Männerkontakte. Impulskontrolle, Vorerkrankungen, Appetit, Grübeln und Konzentrationsausmaß wurden abgefragt. Ich stieg selbst aus dem Rollenspiel aus und kündigte an, differentialdiagnostisch die ICD-10 F-Kategorien durchzugehen. Psychotische Symptome hatte ich vergessen und holte nach – negativ.​

In F3 schloss ich die depressive Episode aus, da die zwei Hauptsymptome fehlten, und erläuterte die erforderlichen Haupt- und Nebensymptome. Bei F4 nannte ich als Verdachtsdiagnose PTBS und grenzte sie von der Anpassungsstörung ab. Generalisierte Angststörung und soziale Phobie schlossen sich durch fehlende Symptome aus. In F5 fehlten Essstörungen, Schlafstörungen waren PTBS-Symptome. Bei F6 erwähnte ich differentialdiagnostisch die ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, die weiter zu explorieren wäre, betonte aber den Vorrang der PTBS. Auf Nachfrage erklärte ich das therapeutische Vorgehen: EMDR und andere PTBS-Methoden, Stabilisierung vorab gegen Retraumatisierung, Integration des Traumas in die Biografie zur Konfliktlösung. Bei Verschlechterung in der Therapie würde ich beruhigen, Talking Down, Atmen, Erden und Achtsamkeitsübungen einsetzen. Die Prüferin fragte nach Skillstraining sowie Derealisation und Depersonalisation, was ich erläuterte.​

Die Prüferinnen berieten kurz und baten mich hinauszugehen. Nach einer halben Minute durfte ich zurückkehren und erfuhr, dass ich bestanden hatte – alles sei durchweg positiv verlaufen. Die 30-minütige Prüfung war angenehm; die Freundlichkeit der Prüfer ließ meine Nervosität schnell vergehen. Bei korrekten Antworten setzten sie Haken, was beruhigte. Wer sich gut auf Rollenspiele vorbereitet, meistert die Prüfung in Stuttgart problemlos.