Karlsruhe 2005, 2011, 2013 l, 2013 ll

Mündliche Heilpraktikerprüfung Psychotherapie Januar 2011

Gesundheitsamt Karlsruhe

Mündliche Heilpraktiker-Prüfung in Karlsruhe im Gesundheitsamt am Mittwoch, den 12.01.2011, Termin 10.20 Uhr, drangekommen bin ich ca. 10:50 Uhr bis ca. 11:30 Uhr (sie haben sich Zeit gelassen, weil ich die Letzte war am Vormittag, und ich hab gar nicht gemerkt, wie schnell die Zeit vergangen ist); vor mir waren zwei Prüflinge – beide haben bestanden. An diesem Morgen haben drei Prüfungsteams parallel geprüft, und ich weiß von einer Freundin, die bei einem der anderen Teams Prüfung hatte, dass sie auch bestanden hat (bei ihr war es der zweite Prüfungsversuch).

Meine Prüferinnen waren: die Amtsärztin Frau Dr. H., die Heilpraktikerin Frau W. und die Psychotherapeutin Frau S..

Zum Einstieg fragte mich Frau Dr. H., wofür ich die Prüfung mache, meine Antwort: ich möchte mich selbstständig machen neben meiner angestellten Berufstätigkeit, eventuell zusammen mit meinem Freund.

Dann fragte sie, ob mir meine Gestalttherapieausbildung in meinen beiden Arbeitsfeldern (Allgemeiner Sozialer Dienst im Jugendamt und Sozialpädagogische Familienhilfe) hilfreich ist. Meine Antwort: ich erlebe die Ausbildung als sehr hilfreich, in beiden Arbeitsfeldern, z. B. in Trennungs- und Scheidungsberatungen und überhaupt in allen Beratungsgesprächen. Und dass ich die parallel zu meinem Sozialpädagogikstudium laufende Therapieausbildung als ideal sich gegenseitig ergänzend erlebt habe. Es war von Anfang an eine angenehme, wohlwollende Atmosphäre bei der Prüfung.

Dann kam der erste Fall, geschildert von Frau W.. Ich habe als Info nur bekommen, dass 36-jähriger Mann zu mir in die Praxis kommt und sagt, sein Hausarzt habe ihn zu mir geschickt, weil er mit seiner Gesundheit nicht so ganz zufrieden sei. Er wisse eigentlich nicht, was er bei mir solle. Ach ja, seine Frau habe sich vor ein paar Wochen völlig überraschend von ihm getrennt, und er habe zwei Kinder. Ich habe immer nur häppchenweise weitere Infos bekommen und bin so vorgegangen, dass ich gesagt habe, ich würde den Mann fragen, ob er denn irgendwelche Probleme oder Themen habe, die er sich vorstellen könne mit mir zu besprechen. Ich würde ihn fragen, was er denkt, warum sein Arzt wolle, dass er zu mir kommt. Und ob er eine Idee habe, was seine Frau sagen würde, warum er zu mir kommen solle. Daraufhin erfahre ich, dass seine Frau es nicht gut fand, dass er oft nicht zur Arbeit gegangen sei. Ich frage, ob er selbstständig oder angestellt sei, und ob er dann unentschuldigt fehle oder krankgeschrieben sei. Ich erfahre, dass er sich immer wieder krankschreiben lässt. Es stellt sich heraus, dass er ein Alkoholproblem hat, was ich durch beharrliches, geschicktes Nachfragen – weil er sich deswegen schämt – herausbekomme. Wie kann ich ihn unterstützen? Ich sage, ich versuche eine Schweigepflichtsentbindung für den Hausarzt zu bekommen. Ich erkläre dem Mann, wie solch eine Therapie ablaufen kann – Entgiftung stationär oder ambulant, Entwöhnung und Nachsorge, und dass ich ihn in allen Phasen unterstützen kann, und dass ich mit ihm erst einmal an der Motivation arbeite, z. B. dass seine Frau zurückkommt, wenn er Therapie macht. Er entscheidet sich für eine ambulante Entgiftung, die klappt auch. Danach arbeite ich mit ihm daran, was es für Alternativen gibt zum Alkoholtrinken, motiviere ihn, sich Aktivitäten zu suchen, auch körperliche, und ganz wichtig ist die Rückfall-Prophylaxe, das Erarbeiten eines Notfall-Planes, wen er anruft in welcher Situation, mich, seine Frau, einen Freund, … Ich motiviere ihn zur Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker, und dass sein Frau in eine Angehörigengruppe geht (auf das mit der AA-Gruppe bin ich erst nach mehrmaligem Nachfragen gekommen…). Frau W. war fertig mit Fragen, und dann hat Frau Dr. H. gefragt, was ich denn konkret mit dem Patienten machen würde. Ich habe gesagt, ich würde seine Wahrnehmung verbessern, also seine Selbst- und Fremdwahrnehmung, weil die bei Alkoholikern meistens nicht so gut sei, weil sie sich ja immer mit Alkohol betäuben. Wie ich das genau machen würde: ich würde seine Aufmerksamkeit auf seinen Körper lenken, indem ich ihn z. B. frage, wenn er mir etwas erzählt, wo im Körper er gerade etwas spürt, wie sich das anfühlt, und dass er mal genauer dorthin spüren soll usw. Und dass ich ihm direkt rückmelde, wenn mir etwas bei seiner Körpersprache, also Gestik und Mimik etwas auffällt.

Zu einem zweiten Fall hat mich dann Frau S. befragt: Ein 35-jährige Frau sei vor ca. einem Jahr Opfer eines Stalkers geworden. Sie sei seitdem von ihrer Persönlichkeit her verändert, sie habe ständig Angst und schlafe schlecht. Der Stalker sei angezeigt und verurteilt worden und sei in Haft. Bei dem Gerichtsverfahren gegen ihn kam heraus, dass er ein weiteres Opfer Stalking-Opfer hatte, bei dem er sogar handgreiflich geworden sei. Dies habe zu einer Zunahme der Angst bei der Frau geführt, die zu mir als Klientin kommt. Frage: Was würde ich mit ihr machen? Es wurde nicht gefragt, was die Klientin hat, also wie die Diagnose ist! (Ich nehme an, eine posttraumatische Belastungsstörung, aber das wurde nicht gefragt). Ich sagte, dass ich mit der Klientin schauen würde, was genau ihre Ängste sind. Ich würde mit ihr zusammen diese Ängste daraufhin überprüfen, wie realistisch sie sind und mit ihr zusammen schauen, was sie tun kann, um sich sicherer zu fühlen. Ich würde ihr raten, einen Selbstverteidigungskurs zu machen. Wenn ich aber feststellen würde, dass noch eine schwerere Traumatisierung vorliegt, dann würde ich sie zu einer/einem speziellen Traumatherapeutin/en schicken. Und dass könne länger gehen, so eine Behandlung. Daraufhin fragte Frau S. mich, ob ich wisse, wie das sei mit so einem Trauma? Ich versuchte dann zu erklären, dass sich die Angstreaktion im Körper abspeichert und durch kleine Trigger wieder aktiviert werden kann. Frau S. erklärte mir dann, wie das funktioniert (das hab ich wieder vergessen…) und meinte, die Behandlung einer solchen Trauma-Reaktion müsse nicht unbedingt lange dauern, sondern sei oft schnell in den Griff zu kriegen. Frau H. fragte mich, wenn die Klientin nun ein halbes Jahr auf einen Platz bei der Traumatherapeutin warten müsse, was ich dann in der Zwischenzeit mit ihr tun würde: Ich würde z. B. mit ihr nach ihren Schlafstörungen schauen, und wenn sie z. B. Albträume habe, würde ich mit ihr an ihren Träumen arbeiten. Wie ich das machen würde? Ich würde sie sich z. B. mit bestimmten Anteilen eines Traumes identifizieren lassen. Ich erklärte dann, dass man in der Gestalttherapie vom Hier und Jetzt ausgeht, also davon, was der Klient aktuell mitbringt oder zeigt, und dass es aber auch sein kann, dass man von dort aus ganz weit zurück landet, also z. B. in der Kindheit eines Klienten. Falls ich dort mit der Klientin, die das Stalking-Opfer ist, landen sollte, würde ich mit ihr zusammen z. B. schauen, ob da etwas zu finden ist, das sie eventuell zu einem leichten Opfer werden lässt.

Damit waren dann wohl alle zufrieden (ich war ja auch lange genug drin J), und ich wurde nach draußen entlassen. Nach kurzer Zeit wurde ich wieder reingeholt und mir wurde gleich gratuliert!!! Frau Dr. H. fragte noch, ob ich mit mir zufrieden sei, und da sagte ich ja, weil ich eine heftige Prüfungsangst entwickelt hatte beim Lernen auf die Prüfung, und dass ich gemerkt habe, dass es mir was gebracht hat, dass ich mich mit der Prüfungsangst beschäftigt hatte, und dass ich mich als erstaunlich wenig aufgeregt und gut konzentriert erlebt habe.

Das wars dann, sie haben mir noch alles Gute gewünscht, und ich hab mich bedankt und bin überglücklich raus, um ein bisschen mit meinen Kolleginnen zu feiern, die am gleichen Morgen auch ihre Prüfungen hatten.