Karlsruhe 2005, 2011, 2013 l, 2013 ll

Mündliche Heilpraktikerprüfung Psychotherapie
Mai 2013

Gesundheitsamt Karlsruhe

  • Atmosphäre angenehm, wohlwollend und fair.
  • Es wird sehr viel Wert auf die therapeutische Vorgehensweise gelegt.
  • Es wurden immer wieder Zwischenfragen gestellt.
  • Ich stelle den Prüfungsablauf detailliert und ausführlich dar.

1) Amtsarzt fragte, was ich bisher gemacht habe (beruflich, Vorerfahrungen, Ausbildungen) und mit welchen Verfahren ich therapeutisch arbeiten werde. Ich: VT und Systemik.

2) Psychologin stellt Fall vor: junge Frau,30 Jahre alt, macht sich Sorgen über Zukunft, über ihre finanzielle Lage, über ihren Mann der vor kurzem eine Hypertonie diagnostiziert bekommen hat, über ihre Kinder…Sie beklagt Rückenschmerzen, Schwindelgefühle und Schwitzen.
Ich sollte differentialdiagnostisch vorgehen.(Was könnte das alles sein?)
Ich: „Generalisierte Angststörung, Somatisierungsstörung, hypochondrische Störung, depressive Episode, ich würde auch Panikstörung ausschließen.“
Dann habe ich jeweils erklärt, was noch zusätzlich bei den genannten Krankheitsbildern vorliegen müsste, damit man es diagnostizieren kann und warum es z.B. eher keine Panikstörung wäre.
Sie fragte nach dem Unterschied zwischen generalisierter Angststörung und Panikstörung und wieso es denn keine Panikstörung wäre. Ebenso nach dem Unterschied zwischen hypochondrischer Störung und Somatisierungsstörung. Sie fragte noch nach Depressionen und ob die genannten vegetativen Symptome auch bei einer Depression vorkommen können.
Ich: „Diese Symptome sind keine diagnostische Vorraussetzung aber können natürlich auch vorkommen.“
Sie fragte, was denn eher meine Diagnose wäre.
Ich: „Eine generalisierte Angststörung, wenn die Symptome seit mindestens 6 Monaten vorliegen, die Angst frei flottierend ist und sich nicht auf bestimmte Situationen beschränkt.“
Sie fragte noch, ob die somatischen Symptome typisch für eine Angststörung sind und wollte wissen wie ich therapeutisch vorgehe.
Ich: „Erst mal Symptomtagebuch schreiben.“
Sie: „Was ist das?“
Ich erklärte es und sagte warum ich das machen würde.
Sie: „Das will die Klientin aber nicht. Was machen Sie dann?“
Ich: „Gedanken und Ängste analysieren und kognitive Umstrukturierung.“
Sie: „Wie machen Sie das?“
Ich habe es erklärt.
Dann wollte sie noch wissen, was ich denn noch machen würde.
Ich: „Inneres Parlament (von Systemik) und Aufstellung, wie geht sie damit um, wie gehen ihr Partner und ihre Kinder damit um, was für eine Funktion hat ihre Symptomatik in der Familie und für sich, wie geht sie in Beziehung mit sich selbst und was für eine Bedeutung legt sie auf ihre Symptomatik.“
Ahja, irgendwann fragte sie noch, ob mir der Angstkreis etwas sagt.
Ich konnte das gut erklären.

3) Jetzt war der Amtsarzt an der Reihe.
Was ist Burnout?
Wie hat man das früher genannt?
Symptome?
Welche Berufe sind am meisten gefährdet? (helfende und soziale Berufe, Psychotherapeuten; Lehrer, etc.).
Wie verhalten sich Burnout-Patienten, wie wirken diese Menschen?
Ich: „Perfektionistisch, hoher Anspruch an sich selbst, können sich schwer abgrenzen und schlecht ‚nein’ sagen etc.“
Er fragte wie ich so einen Burnout behandeln würde.
Ich: „Erst körperliche Entlastung, da es sich um einen Erschöpfungszustand handelt, psychosomatische Kur, Urlaub usw.“
Amtsarzt: „Er ist aber noch nicht so erschöpft und hat noch nicht so starke körperliche Symptome. Er will nur Psychotherapie.“
Ich: „Ok, dann würde ich an seinem Perfektionismus und Anspruch an sich selbst arbeiten, damit er sich nicht mehr über seine Arbeit definieren muss.“
Er: „Wie machen Sie das?“
Ich: „Dysfunktionale Gedanken analysieren und umstrukturieren.“
Er: „Was hätte denn so ein Mensch für dysfunktionale Gedanken?“
Da hab ich ein paar Beispiele genannt wie: „Wenn ich nicht alles perfekt mache, bin ich ein Versager“
Er: „Was würden Sie noch machen?“
Ich: „Aufstellung im Bezug auf seine Herkunftsfamilie, wie ist er erzogen worden, wie war das Verhältnis zum Vater, ob zu strenger /rigider Erziehungsstil und Bestrafungen; nur Lob, wenn alles gut genug und richtig gemacht worden ist etc.“
Er: „Ok, woran würden Sie noch arbeiten außer an seinem Perfektionismus?“
Ich: „Stressoren identifizieren und reduzieren, Problemlösetraining, Training sozialer Kompetenzen (erklärt warum und wie); Stressbewältigungstraining; Aktivitätenaufbau, Freizeit, soz. Kontakte und Unterstützung.“
Er wollte noch auf etwas hinaus und hakte noch mal nach, was denn noch wichtig wäre.
Ich: „(ist mir zum Glück noch eingefallen) Natürlich Entspannungsübungen.“

4) Heilpraktikerin: „Welche Menschen haben ein erhöhtes Herzinfarktrisiko ohne das körperliche Krankheiten vorliegen?“
Mit so einer Frage habe ich überhaupt nicht gerechnet. Hab dann alles gesagt was mir so eingefallen ist: „Stress, Alkohol, Koffein.“
Sie wollte aber noch auf was anderes hinaus.
Dann hab ich gesagt: „Verlusterlebnisse.“
Sie: „Verlust im Bezug auf Arbeit oder Familie?“
Ich: „Das kann von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein aber eher Familie, denn Arbeit kann man immer finden aber Familie ist wichtiger, weil sie Halt und Stabilisierung im Leben gibt.“
Sie: „Ok. Sie sagten noch Stress. Wie wirkt denn ein gestresster Mensch? Wie sind solche Menschen?“
Ich: „(Ääähh)…hektisch, durcheinander, perfektionistisch etc.“

5) Amtsarzt: Borderline àPrognose und Gefahren
Ich: „Ungünstige Prognose da Persönlichkeitsstörung, suizidales und selbstverletzendes Verhalten; Wutausbrüche, instabile Beziehungen, mal abwertendes mal idealisierendes Verhalten, geringe Spannungstoleranz...“
Er wollte noch auf „Sucht“ hinaus.

6) Letzte Frage kam von der Psychologin: „Was machen Sie wenn Patient Suizidgedanken äußert?“
Konnte sehr viel dazu sagen, ich geh konkreter darauf ein(Wie lang und wie oft Suizidgedanken? konkrete Vorstellungen? etc), Person nicht gehen lassen, nach Vertrauensperson fragen, der sie in Klinik bringt, wenn Person nicht einwilligt, dann Notdienst, Polizei à Zwangsunterbringung.
Sie: „Wie läuft so eine Unterbringung ab?“
Habs gut erklären können…
Dann fragte sie noch, was ich tun würde, wenn keine akute Suizidgefahr vorliegen würde, aber der Patient Suizidgedanken hätte?
Ich: „Non-Suizid-Vertrag, nach soz. Kontakten fragen, wer kann sie unterstützen, an wen kann sie sich wenden, wenn es schlimmer wird etc.“
Sie: „Würden Sie sich da auch mit einbringen?“ (ob ich ihr meine Nummer geben würde)
Ich: „Wenn sie stabile Familie und Vertrauenspersonen hat, dann nein, ich brauche auch meine Privatsphäre und Ruhe. Aber wenn sie alleine lebt und ich ein unsicheres und mulmiges Gefühl hätte, dann würde ich ihr meine Nummer geben.“

Das war es dann - 5 min warten … Bestanden!

Allen die noch drankommen, wünsche ich viel Glück und viel Erfolg!