Solingen 2013, 2015, 2016

Mündliche Heilpraktikerprüfung Psychotherapie Mai 2016

Gesundheitsamt Solingen

 

Vorbereitung: ICD 10, alle Krankheitsbilder, inkl. Hauptsymptomen, Zeitkriterien, DD

Fallbeispiele und andere Prüfungen, alle Standard Therapiemethoden, Entspannungsverfahren

 

Lernzeit: ca ½ Jahr, um das Wissen zu festigen

Gute Literatur: Facharztprüfung Psychiatrie und Psychotherapie

 

 

Prüfungsablauf: Ich war eine Stunde früher da, auf der Hinfahrt sehr nervös, da ich Wiederholungstäter war und in Mainz eine ziemlich unschöne Erfahrung gemacht hatte. Von dem Vorprüfling erfuhr ich schon einiges, dadurch ließ meine Anspannung recht schnell nach.

 

Man stellte sich vor, 4 Frauen waren anwesend und begannen auch gleich mit der Überprüfung.

 

  1. Prüferin: Fallbeispiel

Ein Pärchen hat nach langem Wunsch endlich ein Kind bekommen, Frau hat nach der Geburt Probleme, apathisch, kann zum Kind keine Beziehung aufbauen, hockt teilweise in der Ecke, usw.

 

Ich wies daraufhin, dass es eine Störung im Wochenbett sein könnte (Verdachtsdiagnose) und fing dann an die Problematik genauer zu eruieren. Frage nach ärztlicher Abklärung, nach dem Kind (Fremdgefährdung), Abklärung, ob es dafür wirklich keine Gefahr geben würde. Nein, alles gut. Dann ging ich genau auf das Krankheitsbild ein, Abfragen psychopathologischer Befund:

-          Reagiert auf Ansprache, in allen Punkten orientiert, kann dem Gespräch folgen? ja

-          Affekt schwingungsfähig oder gehemmt, Antrieb ebenfalls, gehemmt und vom Gefühl eher leer, gar nicht vorhanden, aha also Gefühl der Gefühllosigkeit

-          Wahrnehmung (hört sie Stimmen) ja, aber eher so von außen kommend, aha also Gedankeneingebung (Ich- Störung)

-          Selbstgefährdung, unklar, die Stimmen sagen ihr sie solle das mit dem Kind aufgeben, das gehört nicht hier hin... ups! Was fragen Sie die Frau noch? Hm, keine Ahnung, der Fall war für mich klar, also dachte ich dann geh mal tiefer und frag nach Scham und Schuldgefühlen:

-          Hat sie Schuldgefühle? Warum Schuldgefühle? Naja sie hat sich doch so auf das Kind gefreut, war so lange kinderlos und hat nun keine Beziehung zum Kind, das Kind soll weg ...

Prüferin irritiert: „Bleiben Sie bei ihrem Anfangsverdacht, da waren Sie schon ganz richtig.“

Aha also Störung im Wochenbett, mit psychotischen Symptomen F2

Was raten Sie der Frau?

Sofort freiwillig in eine psychiatrische Klinik zu gehen, sie muss medikamentös eingestellt werden und ärztlich abgeklärt werden, anderenfalls Zwangseinweisung.

Wie läuft so etwas ab? Das erfolgt in 3 Schritten, man ruft das Ordnungsamt an oder die Polizei, die stellen den Patienten einem Arzt vor, daraufhin erfolgt eine richterliche Anhörung mit richterlichem Beschluss. Alles klar, nächste Prüferin.

 

  1. Negativsymptome der Schizophrenie (Apathie, Alogie, Anhedonie, Affektverflachung, Asozialität, Aufmerksamkeitsstörung und Vernachlässigung der Körperpflege) Symptome 1. Ranges nach Schneider. Heilpraktikergesetz und Berufsordnung, meine Pflichten (Keine Medikamente und medizinischen Therapien, keine Ferndiagnosen, kein Heilungsversprechen, keine zahnärztliche Behandlung, nicht umherziehen, Verschwiegenheitspflicht, Aufklärungspflicht, Dokumentationspflicht, Aufbewahrungspflicht von 10 Jahren, Pflicht zur Haftpflichtversicherung, Steuern, Meldung Gesundheitsamt, Hygienevorschriften, Eichpflicht, Parkplatzpflicht, Sorgfaltspflicht, Verpflichtung in Notfällen zu helfen, was noch Behandlungsvertrag, ja auch, was noch achja Fortbildungspflicht!) Gut fertig, nächste Prüferin

 

  1. Ein Mann kommt zu ihnen in die Praxis, hat Frau und Kind, war gewalttätig und deshalb in psychiatrischer Klinik, wurde entlassen, was machen Sie zuerst?
    Ich: Mit welchem Befund wurde er entlassen?
    Prüferin: Was machen Sie zuerst?
    Ich frage ob das Jugendamt involviert ist bei häuslicher Gewalt.
    Ja schon, aber was machen Sie zuerst?
    Ich: Hm, da eier ich rum. Naja ich muss wissen, ob er noch gewalttätig ist und bitte den Patienten um Einsicht in den Abschlussbefund.
    Richtig, warum?
    Ich:Wegen Frau und Kind.
    Und weswegen noch?
    Ich: Wegen Gefährdung anderer oder Wendung gegen sich selbst.
    Ja, wer ist denn alles gefährdet?
    Ich: Na andere Menschen.
    Richtig und wer noch?
    Ich: Ich auch! Richtig, sie müssen auch auf sich selbst aufpassen, das war mir wichtig, das von Ihnen zu erfahren.

 

Entspannungsverfahren benennen, eins näher erläutern, habe ich bei allen gemacht und zusätzlich noch wann indiziert und kontraindiziert. Dann kam die Frage und wann sollte man diese Verfahren auch nicht machen? Hm, keine Ahnung .. na wenn es einer nicht will

 

  1. Prüferin (Amtsärztin) es sind erst 20 min vergangen und sie haben schon alles gelöst, dann möchte ich von Ihnen noch mehr über Suizidalität erfahren.

Ich: Ist keine Krankheit, ein allen Menschen mögliches Handeln, starker Handlungsdruck, keine Wahlmöglichkeit, Krisen - und Krankheitsmodell.

Bei wem müssen Sie denn besonders aufpassen?

Ich: familiäre Häufung, versteckter Suizid (Dinge verschenken usw.) Fallbeispiel von mir aus unserer Region.

Toll, aber welche Berufsgruppen oder Personengruppen sind besonders betroffen?

Ohwaia! Da habe ich lange herumgeeiert aber es letztendlich mit Hilfe geschafft, war aber auch nicht mehr so wichtig für das Prüfungsergebnis. Für alle die nach mir kommen, diese habe ich genannt und man war zufrieden:

-          Alleinstehende

-          Nach akuter Krise, arbeitslos etc

-          Menschen mit viel Verantwortung

-          Ärzte

-          Militär (die eher weniger, zählte aber auch)

-          Hospizangestellte

-          Sozialarbeiter

-          Pilot (stimmte nicht, aber durch die Pressegeschichte, hat sie das abgenickt)

-          Nach Verlassenwerden, oder Tod des Partners o.ä.

-          Kinderlosigkeit

 

Ich habe bestanden mit großem Lob. Musste auch nicht mehr rausgehen, sondern bekam das Ergebnis direkt mitgeteilt und den Zettel zum Unterschreiben J Man war sehr erstaunt, dass ich alle Fragen in 20 min schon gelöst hatte. Die 3. Prüferin gab mir die Hand, die Amtsärztin auch, die 2 Prüferin schlief und die mit der ersten Frage war immer noch irritiert.

 

Ich hab mich gefreut wie Bolle! Wusste nicht, ob ich jetzt noch sitzen bleiben sollte oder nicht. Stand also auf, da fragte man noch nach meinen Zukunftsplänen, hab dann stehend noch ein bisschen erzählt, winke winke, freudestrahlend raus.

Hab dem nachfolgenden Prüfling noch ein paar Tipps gegeben.

 

Ich wünsche euch viel Glück und macht euch nicht verrückt. Die waren in Solingen super nett und absolut fair. Keiner hat auf mich den Eindruck gemacht, dass man mir das nicht gönnt und mir eine Falle stellen will. Man hat mir wirklich gute Fragen gestellt und bei allem geholfen. Die Mainzer waren echt fies. Ich habe die Angewohnheit, da ich nun mal Frau bin und schlecht breitbeinig sitzen kann, die Knie zusammen zu machen und die Füße etwas nach außen zu stellen, wenn ich sitze. Dann fallen die Knie automatisch zusammen. Das wurde von einer Prüferin in Mainz als infantil gewertet. Reichlich persönlich und übergriffig, bei der würde ich niemals eine Therapie machen.