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Mündliche Überprüfung als Heilpraktikerin Psychotherapie am 30.10.2012 in Mainz / Kreisverwaltung Mainz-Bingen

Die Prüfung fand im Kreisgesundheitsamt in Mainz statt. Der Wartebereich für die Kandidaten ist in einer Ecke des Treppenhauses, vor einem langen Flur, der zum Sitzungszimmer führt. Mein Termin war um 10.00 Uhr, ich bin ca. 20 Minuten später hereingebeten worden.

Nach dem Feststellen der Personalien und der Frage, ob ich mich gesundheitlich in der Lage fühle, die Prüfung zu machen, ging es los.

Der Amtsarzt und die Beisitzerinnen (Heilpraktikerinnen mit psychotherapeutischer Praxis) stellten sich vor. Ich bin gefragt worden, weshalb ich die Prüfung machen wolle.

Dann wurde die erste Prüfungsfrage vorgelesen. Der Inhalt war: Was sind die Kontraindikationen für die psychoanalytische Therapie?

Antwort: Regressives Arbeiten (Methoden aufgezählt) ist kontraindiziert bei akuter Schizophrenie, akuter Depression, PTBS und akuter Belastungsstörung.

Tenor: Instabilität der Persönlichkeit oder psychischen Verfassung. Störungen der Schizophrenie aufgezählt nach Kurt Schneider.

Nachfrage: Ja, wenn der Patient aber symptomfreie Zeiten hat, keine Halluzinationen.

Meine Antwort: PA ist eine Langzeitbehandlung, die eine Kontinuität und psychische Stabilität über Jahre erfordert. Kognitive Fähigkeiten müssen vorhanden sein.

Es bestehen Ich-Funktionsstörungen war dann die erwartete Antwort.

Dann zur VT: Was ist operantes Konditionieren? Was ist positive und was negative Verstärkung? Wo tritt negative Verstärkung auf?

Dazu: Negative Verstärkung ist nicht der Entzug von positiver Verstärkung, das ist Bestrafung. Sondern es ist Vermeidungsverhalten. Ganz wichtig!

Welche Beispiele gibt es dafür? Wie behandeln Sie einen Patienten mit einer Phobie?

Hier Systematische Desensibilisierung und Reizkonfrontation beschreiben.

Was ist, wenn der Patient bei der Systematischen Desensibilisierung nicht mehr weiterkommt?

Dann neue Angsthierarchie aufstellen.

Wie lange dauert bei einer Reizkonfrontationsbehandlung das Flooding - hier Fahrstuhlfahren bei einer Phobie?

Nur eine halbe Stunde, länger nicht. Meine Antwort 1-1,5 Stunden wurde vehement korrigiert.

Warum nehmen die Ängste beim Flooding ab?

Körper kann keine Hormone mehr ausschütten, Überlastung des Systems.

Fallbeispiel: Ein 35-Jähriger kommt in die Praxis, berichtet über Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten und Ermüdungszustände. Er berichtet, dass ihm das Gehirn ausgetauscht wurde, dass seine Exfrau damit involviert wäre. Als er eine Sirene draußen hört, sagt er, das sei ein Zeichen, dass die Behandlung nichts bringen würde.

Fragen dazu: Welche drei Verdachtsdiagnosen würden Sie stellen und was bedeutet es, dass der Mann eine Sirene hört und es als Zeichen wertet, die Behandlung zu beenden.

Den Fall gab es nicht schriftlich zur Ansicht, er wurde 2x vorgelesen, wie auch die Fragen. Ich konnte mir Notizen auf einem Blatt dazu machen.

Die drei Verdachtsdiagnosen: Organisches Psychosyndrom, z.B. Intoxikation, Schädel-Hirn-Trauma, raumgreifender Tumor, Durchblutungsstörungen, endokrine Störungen…, Schizophrenie und Schizoaffektive Störung. Erklärungen anhand der Symptome geben. Unterschied zwischen Schizoaffektiver Störung und schwerer depressiver Episode mit Wahn.

Die Wahnthemen waren Beeinträchtigungswahn (Gefühl der Bedrohung durch Exfrau) und Beziehungswahn (Bezieht das Signal der Sirene auf sich).

Zum Schluss wurde ich nach der Grundlage gefragt, die meinem Arbeiten als Heilpraktikerin zugrunde liegt. Auch wurde gefragt, was ich nicht durchführen darf (Medikamente verabreichen, körperlich untersuchen oder behandeln…).

Die Atmosphäre der Prüfung war sehr ernst und bemüht streng. Antworten, die nicht in die Erwartung des Prüfkomitees passten, wurden deutlich negativ aufgegriffen. Es machte den Eindruck, dass eine kritische und angespannte Situation initiiert wurde, um die Kandidaten auch darin zu überprüfen. Mein Tipp: Nicht verunsichern lassen, dran bleiben und konzentriert weitermachen – das Ziel vor Augen. Auf Exaktheit und klare fachliche Angaben wurde Wert gelegt. Es gab aber immer Hilfestellungen, um auf die richtige Antwort zu kommen.

Ja und dann sollte ich rausgehen. Knapp eine Stunde hatte die Überprüfung gedauert. Da es während der Prüfungssituation keine positiven mimischen oder gestischen Signale der Prüfer/innen gab, war ich mir nicht so sicher, wie das Ergebnis ausfallen würde. Mit dem Satz: Das wäre doch eine ganz gute Leistung gewesen, wurde ich dann über mein Ergebnis informiert: Bestanden!!!

Mit einem Halleluja – geht meine Dankbarkeitsbekundung nach oben und mit einem herzlichen Dankeschön an die Heilpraktiker-Prüfungsvorbereitungsgruppe in Wiesbaden.